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Mädchen mit Rohkost

Fleischlos glücklich? So gelingt die vegetarische Ernährung in der Kita

Spätestens seit dem Erscheinen der Studie „Is(s)t Kita gut?“ der Bertelsmann-Stiftung ist eine vegetarische Verpflegung für viele Kitas eine ernsthafte Alternative zu den gewohnten Ernährungskonzepten. Die Umstellung auf fleischlose Kost ist einfacher als es scheint, wenn man ein paar wichtige Grundsätze beachtet.

Warum vegetarisch?

Neben ökologischen und ethisch-moralischen Gründen sind es vor allem gesundheitliche Argumente, die für eine vegetarische Verpflegung in der Kita sprechen. Daneben werden auch oft niedrigere Kosten, die strengen Auflagen bei der Herstellung von Fleischgerichten in der Kita-Küche sowie die Wünsche und Bedürfnisse der Eltern genannt.
Fakt ist, dass der Speiseplan der meisten unserer Kinder in der Regel zu viel tierisches Eiweiß enthält. Ein Verzicht auf Fleisch an den Kita-Tagen hilft, dieses „Übergewicht“ an tierischem Eiweiß abzubauen, selbst wenn die Kinder dann zu Hause abends und an den Wochenenden Fleisch und Wurst verzehren.

Die Vorteile der vegetarischen Ernährung in der Kita

Vollwertige, vegetarische Ernährungsformen fördern die Gesundheit und beugen Krankheiten vor. Studien zeigen u. a., dass Vegetarier seltener übergewichtig sind, ein geringeres Diabetes-Risiko haben und seltener an Bluthochdruck oder an Herzkrankheiten leiden. Da das Ernährungsverhalten maßgeblich in der frühen Kindheit geprägt wird, kann eine ausgewogene, vegetarische Kost in der Kita dazu beitragen, auch im späteren Leben einen gesunden Ernährungsstil beizubehalten.
Darüber hinaus schonen vegetarische Ernährungsformen die Ressourcen. Die Umwandlung von pflanzlichen Futtermitteln in tierisches Eiweiß kostet sowohl Ackerfläche als auch Wasser für Anbau, Erzeugung und Verarbeitung. Massentierhaltung und -transport, Monokulturen für Viehfutter und der CO2-Ausstoß sind weitere Faktoren, die für eine vegetarische Ernährung sprechen.
Zudem ist eine vegetarische Küche wesentlich kostengünstiger zu betreiben, selbst wenn man ausschließlich auf Bio-Lebensmittel zurückgreift. Es gibt bereits biozertifizierte Kita-Küchen, die die Vollverpflegung ihrer Kinder zu ganz normalen Preisen anbieten können. Die Auflagen des Gesundheitsamts für Kita-Küchen, die Fleischgerichte anbieten, sind zudem wesentlich strenger und nicht zuletzt sieht auch die DGE eine vollkommen vegetarische Ernährung als unproblematisch.

Wege zur Umsetzung

Die Zeit des Wachstums und der Entwicklung stellt besondere Anforderungen an die Energie- und Nährstoffversorgung unserer Kinder. Es ist deshalb nicht damit getan, Fleisch einfach wegzulassen – an seine Stelle muss eine vollwertige Ernährung treten. Diese zeichnet sich vor allem durch den Einsatz von Vollkornerzeugnissen, Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen und Saaten sowie hochwertiger Pflanzenöle aus. Diese Lebensmittel enthalten ausreichend Nährstoffe mit gesundheitsfördernden Eigenschaften wie z. B. Ballaststoffe, Omega-3-Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe. Vor allem Hülsenfrüchte sind hervorragende Eiweißlieferanten. Das wichtige Vitamin B12 erhalten die Kinder über Milchprodukte und Eier. Auch aus diesem Grund ist eine Erweiterung auf vegane Ernährung für Kita-Kinder, aber auch Schulkinder, nicht zu empfehlen.
Mit etwas Kreativität und ein paar neuen Rezepten kann leicht eine vollwertige und abwechslungsreiche Ernährung auf vegetarischer Basis sichergestellt werden, die unsere Kinder mit allen notwendigen Nährstoffen im richtigen Verhältnis und in der ausreichenden Menge versorgt. Auf Fleischersatz wie Tofu oder andere Sojaprodukte kann dagegen vollständig verzichtet werden. Linsen, Hirse und Amaranth beispielsweise stellen eine sinnvolle, regional angebaute und nachhaltige Alternative dar.
Wertvolle Hinweise und eine große Anzahl von Rezeptideen bieten die Infobroschüre „Erfahrungskatalog vegetarische Vielfalt“ und der "Leitfaden Hülsenfrüchte in Kita und Schule“ vom Landeszentrum für Ernährung Baden-Württemberg.

Akzeptanzprobleme einfach lösen

Eine Erläuterung der vielen Vorteile vegetarischer Kost und die Zerstreuung von Bedenken auf einem Elternabend ist ein wichtiger Bestandteil bei der Erreichung von Akzeptanz eines vegetarischen Ernährungskonzepts. Die Versicherung, dass vegetarische Ernährung kein Dogma für die Kita darstellt und gegen Fleischgerichte abends und an den Wochenenden nichts eingewendet wird, hilft ebenso. Und bei den Kindern? Hier kann man mit etwas Phantasie und Einfühlungsvermögen „nachhelfen“: die „Lagerfeuerkartoffeln“ schmecken schon wegen ihres Namens so gut und wenn der morgendliche Frischkornbrei „Kraftprotzbrei“ heißt, wissen die Kinder, warum sie ihn so gerne essen.

Autorin: Silvia Popp
Foto: ©Foto-Grafikatelier Gudrun de Maddalena


Quellen:



März 07/2019

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