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Grundschulkinder machen Bewegungsübungen im Klassenzimmer

Leichter lernen mit Bewegung

Bewegung in der Kindheit ist für eine gesunde körperliche und psychische Entwicklung essentiell. In Kita und Schule wird die Bewegung jedoch häufig vernachlässigt. Die gute Nachricht: Bereits kleine Veränderungen in den täglichen Abläufen haben positive Auswirkungen auf die (Lern-)Atmosphäre in Gruppenraum und Klassenzimmer.

Bewegung als wichtige Entwicklungsgrundlage

Kleine Kinder be-„greifen“ ihre Umwelt im wahrsten Sinne des Wortes mit vollem Körpereinsatz. Sie tasten, greifen, schlecken an Dingen, sie rollen sich einen Hang hinab, sie stampfen in Pfützen, sie balancieren auf Mäuerchen, hüpfen über Kopfsteinpflaster und klettern auf Bäume – und all das bereits bei einem Spaziergang ohne konkrete Bewegungs-Anweisung. Häufig wird dieser natürliche Bewegungsdrang der Kinder gebremst, sie werden zum Stillsitzen erzogen und das „Herumtoben“ wird von manch einem Erwachsenen als störend empfunden. Doch bereits im Kita-Alter kann der Grundstein für lebenslange körperliche Aktivität gelegt werden. Das Ziel von Betreuungseinrichtungen und Grundschulen sollte daher sein, den natürlichen Bewegungsdrang aufzunehmen und weiter zu fördern. Natürlich darf und soll es auch ruhige „Arbeits“phasen geben (Fünf- bis siebenjährige Kinder können sich bis zu 15 Minuten am Stück voll konzentrieren.) – diese gelingen jedoch umso besser, je bewegter der restliche Unterricht bzw. Kita-Alltag gestaltet wird.

Das Gehirn turnt mit!

Bewegung ist nichts, was sich auf den Spielplatz, Pausenhof oder die wenigen übrig gebliebenen Sportstunden beschränken sollte. Unser Körper ist darauf ausgelegt, viel und regelmäßig bewegt zu werden. Denn bei körperlicher Aktivität passiert weitaus mehr, als Muskelaufbau und Energieverbrauch. Alle Bereiche des Körpers profitieren davon: der Bewegungsapparat, das Herz-Kreislauf-System, der Hormonhaushalt, das Immunsystem und – im Kontext Schule besonders interessant – unser Gehirn! Es verarbeitet Informationen schneller, die einzelnen Gehirnareale arbeiten effizienter zusammen und das Kurzzeitgedächtnis verbessert sich, wenn wir uns regelmäßig bewegen. Zudem werden bei körperlicher Aktivität mehr neue Gehirnzellen gebildet!

Übrigens: Zu keinem anderen Zeitpunkt im Leben lernen wir mehr dazu als innerhalb der ersten beiden Lebensjahre: 15.000 neue Synapsen, also Verknüpfungen zwischen Nervenzellen, werden in diesem Alter gebildet – pro Sekunde!

Die Umsetzung im Schulalltag darf zur Routine werden

Bewegungsförderung wird häufig als zusätzliches Projekt angesehen, das neben weiteren Bildungsangeboten im eng getakteten Schul- oder Kitaalltag untergebracht werden muss. Wenn Lehrer*innen die Bewegung jedoch als hilfreiches „Werkzeug“ erkennen und routinemäßig im Unterricht einbauen, profitieren beide Seiten davon, Kinder wie Lehrkraft. Denn bereits kurze Bewegungseinheiten wirken wie ein „Weckruf“ für das Gehirn und fördern die Konzentrationsfähigkeit. Gleichzeitig werden Aggressionen abgebaut und der Klassenzusammenhalt wird positiv beeinflusst. Alles Dinge, die eine Lehrkraft sich bei der täglichen Arbeit wünscht. Auf lange Sicht passiert bei regelmäßiger Bewegung noch etwas sehr Bedeutsames: Die Fähigkeit zur Selbstregulation steigt – eine Schlüsselkompetenz in Bezug auf das ganze weitere Leben.

Es reicht schon wenig

Bereits Bewegungen mit geringer Intensität (im Klassenzimmer umhergehen oder aufstehen, sich recken und strecken) reichen aus, um die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Gehirns zu verbessern. Gleichzeitig spielt die psychologische Komponente eine große Rolle: nicht nonstop stillsitzen zu müssen, sondern selbst aktiv sein zu dürfen, fördert die Motivation und die Freude am Lernen.

So einfach geht‘s

In jeder Art des Fachunterrichts lässt sich Bewegung einbauen – „Bewegtes Lernen“ ist hier das Zauberwort. Ein kleines Beispiel für den deutschen oder fremdsprachlichen Grammatik-Unterricht: Die Worte eines Aussagesatzes werden einzeln ausgedruckt und der im Halbkreis stehenden Schülergruppe in die Hand gegeben, zum Beispiel: „Ich gebe jeden Abend meinem kleinen Hund eine fette Wurst.“ Die Schüler*innen sollen sich dann mit ihren Schildern so aufstellen, dass ein grammatikalisch korrekter Satz entsteht. Nun folgen Aufgaben mit Satzumstellungen, die nach und nach gewisse Gesetzmäßigkeiten erkennen lassen wie „das Prädikat steht immer an zweiter Stelle“ oder „manche Satzglieder sind nicht sinnvoll trennbar (meinem kleinen Hund / eine fette Wurst)“. Was bleibt den Kindern im Gedächtnis – ein solches Spiel oder ein sachlicher Tafelanschrieb…?

Viele weitere Anregungen für Spiele, Pausenbeschäftigungen und zum Bewegten Lernen finden Sie in der großen Datenbank auf www.fit-lernen-leben.ssids.de. Die Inhalte lassen sich praktischerweise sortieren – zum Beispiel nach dem Alter der Zielgruppe.

Autorin: Verena Elias, Forum ernähren, bewegen, bilden
Foto: Clipdealer.de


Quellen:

  • Kultusministerium Baden-Württemberg: Fit für Lernen und Leben (zuletzt abgerufen am 22.10.2019)
  • Niedersächsisches Kultusministerium: Bewegte Schule (zuletzt abgerufen am 22.10.2019)
  • Ratey, J. J.: Superfaktor Bewegung – Das Beste für Ihr Gehirn!, VAK Verlags GmbH, 2013

März 10/2019

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