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Zwei Teller von oben, auf einem Teller liegt ein Apfel auf dem anderen ein Brötchen

Nudging - kleine Stupser statt Verbote

Kleiner Stupser statt Verbote

Viel Wasser trinken, täglich Obst und Gemüse dafür seltener Fleisch essen, die Theorie von gesunder Ernährung ist bekannt aber vom Wissen zum Tun ist es manchmal kein einfacher Weg. Wenn der innere Schweinehund reglos daliegt, braucht er manchmal einen Stupser, um über seinen Körbchenrand zu springen. Nudging nennen das Experten.

Ein Nudge, synonym auch als choice architecture bezeichnet, wird definiert als sanftes Anstupsen. Das Ernährungsverhalten soll dabei in die gewünschte Richtung gelenkt werden wobei vorrangig Automatismen angesprochen werden. Nudging soll die neue Wunderwaffe sein, wenn es darum geht, Menschen dazu zu bewegen die für sie bessere Wahl zu treffen.

Attraktive Anreize setzen

Solche Nudges sind kleine Denkhilfen im Alltag. Sie bestehen aus überzeugenden und vergleichenden Informationen sowie wirkungsvollen Anreizen. Übergeordnet organisiert können diese Stupser als ganzes Programm aufgesetzt sein, um bestimmte erwünschte Verhaltensänderungen zu erzielen. Im Sinne von „Make the healthier choice the easier choice“, soll die gesündere Wahl bequemer erreicht werden. Zwang, Verbote und Bevormundung sind dabei tabu.

Bestes Beispiel: Nudgingwürde nicht den Zwang zu einem vegetarischen Gericht aufsetzen wie bei einem „Veggie Day“. Vielmehr wird das vegetarische Menü besser präsentiert, so dass die Entscheidung hierfür erleichtert wird.

So einfach kann Stupsen sein

Die Entscheidung für ein Angebot fällt leichter, je attraktiver es gegenüber einem anderen ist: kostengünstiger, ansprechend angerichtet oder etwa leichter zugänglich sollte es sein.

Damit Gäste mehr Wasser trinken, kann dieses an Trinkwasserstationen kostenfrei angeboten werden, Aufkleber in Form von Wassertropfen können den Weg weisen, Wasserflaschen können in Augenhöhe und in auffälliger Menge an verschiedenen Stationen präsentiert werden. Farbenfrohe Trinkbecher wecken zusätzlich die Aufmerksamkeit.

Um den Gemüsekonsum zu steigern, können entsprechende Gerichte bereits auf dem Speiseplan an erster Stelle platziert und mit grüner Kennzeichnung hervorgehoben werden. Gezielte Beleuchtung und grüne Klebebanderolen markieren das gesündere Angebot. Das Auge isst mit: attraktives Geschirr, auffällige Servietten oder Tabletts können ebenso wie lustige Aufkleber und Sprüche den Griff zum Grünen erleichtern.

Aus den Augen, aus dem Sinn? Auch das in den Vordergrundstellen der gesünderen Wahl und der erschwerte Zugang zu weniger erwünschten Speisen kann die Entscheidung positiv beeinflussen. So kann der Zugang zu weniger Erwünschtem durch Abkleben der Präsentationsfläche oder durch Bereithalten der Ware in Schubladen erschwert werden. Hingegen können geschmackvoll vorportionierte Salate, bunt in großen Körben und Etageren hergerichtetes Obst und Vollkornprobierhäppchen die Auswahl erleichtern. Auch ein Stempelbonussystem für die gesündere Wahl oder ansprechende Bilder im Essensraum können die Gäste in die richtige Richtung stupsen.

Tipps für den langfristigen Erfolg

Um langfristig erfolgreich zu sein, sollte ein starkes Team aus Schulleitung, Lehrer- und Schülerschaft, Eltern, Sachaufwandsträger, Speisenanbieter einschließlich Küchenteam zusammengestellt werden. Für effektive Maßnahmen müssen alle im Boot sitzen und zusammenarbeiten. Diese sollten gut in den täglichen Arbeitsablauf integrierbar sein. Wichtig: Es muss auch damit gerechnet werden, dass es zu einer Umsatzverschiebung kommen wird. Um effektiv zu bleiben, ist es entscheidend, dass die Ausgabesituation immer wieder bewusst aus dem Blick des Gastes betrachtet wird.

Studie zu Nudging

Sollten Mensen und Kantinen umdenken? Wie praxistauglich sind Nudges im Verpflegungsalltag und wie effektiv sind derartige Maßnahmen langfristig? Das einjährige Modellprojekt „Smarter Lunchrooms“, an dem das Bayerische Kompetenzzentrum für Ernährung (Kern), die Hochschule Albstadt-Sigmaringen und die TK beteiligt waren gewährt spannende Einblicke in diese Fragestellungen.
In dem Praxistest mit einer Schul- und einer Hochschulmensa im Münchener Raum wurden nudging-Ansätze basierend auf aktuellen Erkenntnissen der Verhaltensökonomie im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung kontrolliert eingesetzt und die kurz-, mittel- und langfristigen Effekte auf die Speisenauswahl der Essensgäste anhand der Verkaufszahlen analysiert.

Laut der Studie konnte eine gesundheitsförderliche Speisenauswahl beobachtet werden. Die Ergebnisbroschüre „Nudging – Leicht gemacht“ gibt nun hilfreiche Tipps für einfach und kostengünstig umsetzbare sowie wirkungsvolle Interventionen.

Nudging geht auch zu Hause

Nicht nur in der Gemeinschaftsverpflegung auch im Familienalltag kann Nudging zu einer gesünderen Auswahl verhelfen. Bieten Sie Ihren Liebsten zu jeder Mahlzeit aufgeschnittenes Obst, leckere Gemüse-Spieße oder Sticks mit Dip an und stellen Sie einen frei zugänglichen Obstkorb auf. Lagern Sie Chips und Süßes nicht sichtbar und schwerer zugänglich in Schränken. Stellen Sie Wasserkaraffen mit Zitronenscheiben und Kräutern sowie bunte Becher auf den Tisch. Schreiben Sie Vollkornprodukte ganz oben auf Ihren Einkaufszettel. Kleiner Tipp für Kleinkinder: Erfinden Sie lustige Namen für ausgewogene Gerichte wie Bunte Schatzkiste statt Gemüseauflauf. Sie werden überrascht sein, wie selbstverständlich die Wahl zum Gesünderen fallen wird.

Autorin: Kati Voss
Foto:©makistock/ Fotolia


Quellen:

LS 03/2019

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