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Obst

Fruchtzuckerunverträglichkeit – wenn Obst den Darm belastet

Obst ist ein wichtiger Bestandteil einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Wenn jedoch ein Schluck Orangensaft oder ein Stück Apfel Bauchkrämpfe und Blähungen verursachen, kann eine Fruchtzuckerunverträglichkeit dahinter stecken.

Warum wird Fructose nicht vertragen?

Bei einer Fructosemalabsorption besteht ein Defekt im Transportsystem des Dünndarms. Fruchtzucker, der naturgemäß in Obst und Honig enthalten ist, kann nur begrenzt oder gar nicht aus dem Dünndarm ins Blut aufgenommen werden und gelangt in großen Mengen in den Dickdarm. Dort wird er von Darmbakterien zu kurzkettigen Fettsäuren sowie zu Gasen wie Wasserstoff und Kohlendioxid verstoffwechselt. Diese können unter anderem Beschwerden in Form von Blähungen und Durchfall verursachen. Da der Zuckeralkohol Sorbit den gleichen Transportweg wie Fructose benutzt, hemmt er die Fructoseaufnahme in den Dünndarm und verstärkt somit die Beschwerden. Glucose (Traubenzucker) hingegen kurbelt den Transport von Fructose im Darm an.
Das Transportsystem für Fructose ist generell in seiner Kapazität auf etwa 25 g begrenzt. Sehr große Mengen an Fruchtzucker, wie sie in mehreren Portionen Obst und Gläsern Saft enthalten sind, können das System überfordern und es kommt auch ohne Fructosemalabsorption zu den genannten Magen-Darm-Beschwerden.
Sehr selten ist die hereditäre (erbliche) Fructoseintoleranz (HFI). Bei der angeborenen Stoffwechselerkrankung reichert sich in der Leber durch einen Enzymmangel Fructose an, was zur lebensbedrohlichen Vergiftung führen kann. In diesem Fall ist eine lebenslange fructosefreie Diät erforderlich.

Welche Symptome treten auf?

Die Leitsymptome der Fruchtzuckermalabsorption sind meist Blähungen und Durchfall. Auch Übelkeit, Völlegefühl und Bauchschmerzen können auftreten. Das Beschwerdebild ist von Person zu Person unterschiedlich, unter anderem spielen dabei die aufgenommene Fructosemenge, die individuelle Toleranzschwelle und Darmflora eine Rolle. Psychische Belastungen und welche Lebensmittel ansonsten verzehrt werden, beeinflussen ebenfalls die Symptome.
Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann es zu einer bakteriellen Fehlbesiedlung kommen. Die Beschwerden nehmen weiter zu und die Funktion des Magen-Darm-Trakts kann sich verschlechtern.

Wie wird die Fruchtzuckerunverträglichkeit diagnostiziert?

Bei begründetem Verdacht kann der Arzt einen Wasserstoffatemtest veranlassen. Dabei trinkt der Patient in nüchternem Zustand eine konzentrierte Fructoselösung. Die im Dickdarm entstehenden Abbauprodukte der Fructose werden teilweise über die Lunge abgeatmet. Steigt die Konzentration des Wasserstoffs in der Atemluft über einen bestimmten Grenzwert an, liegt eine Fructosemalabsorption vor. Die hereditäre Fructoseintoleranz muss vorher ausgeschlossen sein. Zusätzlich ist ein Symptom- und Ernährungsprotokoll hilfreich. Ein Bluttest zur Diagnose einer Fructosemalabsorption ist nicht aussagekräftig.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Mit einer Ernährungsumstellung lassen sich die Beschwerden einer Fructosemalabsorption verbessern. Ein dauerhafter Verzicht auf Obst und daraus hergestellten Produkten ist nicht nötig. Im Gegenteil: Eine extrem fructosearme oder fructosefreie Ernährung ist auf Dauer bei einer Malabsorption sogar schädlich, da die Funktion des Transportsystems weiter nachlassen würde. Vielmehr geht es darum, Lebensmittel so zu kombinieren, dass der Fruchtzucker keine Beschwerden verursacht und Betroffene nach einiger Zeit wieder Obst essen können. Welche Lebensmittel die Betroffenen vertragen, finden sie am besten in der Beratung mit einer Ernährungsfachkraft heraus.

Ernährungstipps bei Fructosemalabsorption:

  • Es empfiehlt sich, fructosereiche und sorbithaltige Lebensmittel in Kombination mit Fett und Eiweiß (z. B. Obst mit Quark), also am besten zusammen mit einer Mahlzeit zu essen.
  • Fructose steckt nicht nur in Obst, sondern auch in Honig und Invertzucker. Auch Getränke, Back- und Süßwaren oder Müsliriegel können Fructose enthalten. Das gilt ebenso für Hygieneartikel wie Zahnpasta, Arzneimittel und Infusionslösungen. Da hilft der Blick auf die Zutatenliste.
  • Lebensmittel, die gleichzeitig Fructose und Glucose im passenden Verhältnis enthalten (z. B. in Bananen und Brokkoli), werden häufig besser vertragen.
  • Auf Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit sollte verzichtet werden. Sorbit ist in Kaugummi und vielen Diätprodukten enthalten, kommt aber auch natürlich in Lebensmitteln vor, beispielsweise in Pflaumen und Birnen. Süßstoffe werden übrigens vertragen.
  • Vorsicht bei Glucosesirup. Dieser wird oft mit Fruchtzucker angereichert, um die Süßkraft zu erhöhen.
  • Grundsätzlich gilt: Erlaubt ist, was bekommt.


Autorinnen: Saskia Kotzanek, Dr. Claudia Müller

Foto: ©rainbow33 - stock.adobe.com


Quellen:

März 09/19

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