Service-Navigation

Suchfunktion

Glas Milch

Wenn man Milch nicht verträgt

Milch enthält zahlreiche Nährstoffe – neben Eiweiß und Kalzium auch Jod und viele Vitamine. Daher ist sie ein wichtiger Nährstofflieferant in einer ausgewogenen nachhaltigen Ernährung. Aber nicht jeder verträgt sie: Manche reagieren auf den Milchzucker (Laktose), manche auf das Milcheiweiß.

Milch und Milchprodukte sind wertvolle Lebensmittel, die in der täglichen Ernährung einen wichtigen Beitrag zur Nährstoffversorgung leisten. Das gilt vor allem für die Nährstoffe, deren Versorgung kritisch ist, wie Kalzium, Vitamin B2 und Jod. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen täglich 200 bis 250 g Milch und Milchprodukte sowie zusätzlich 50 bis 60 g Käse (etwa zwei Scheiben). Für Kinder ab einem Jahr gilt die Empfehlung von 300 bis 350 ml Milch und Milchprodukte am Tag. Das entspricht dreimal täglich eine Portion. Eine Portion sind etwa 100 bis 130 ml Milch, ein kleiner Becher Joghurt (100 bis 130 g) oder eine Scheibe Käse in der Größe der Handfläche des Kindes. 

Nicht alle Menschen vertragen Milch und Milchprodukte: Etwa 15 bis 20 Prozent der Deutschen leiden an Laktoseintoleranz – einer Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker (Laktose). Für die meisten Betroffenen sind allerdings noch geringe Mengen Laktose bekömmlich. Nicht zu verwechseln ist die Laktoseintoleranz mit einer Allergie gegen Kuhmilcheiweiß, die eher selten auftritt: Nur 2 bis 7 Prozent der Kinder und 1 bis 3 Prozent der Erwachsenen sind betroffen.

Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktoseintoleranz)

Bei einer Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) besteht ein Mangel am Verdauungsenzym Laktase oder seine Aktivität ist verringert. Nur selten ist der Enzymmangel angeboren. In den meisten Fällen reduziert sich die Enzymaktivität im Laufe des Lebens. Eine Laktoseintoleranz kann auch infolge einer anderen Erkrankung wie einer Zöliakie oder anderen Darmerkrankung entstehen. Nach erfolgreicher Behandlung der ursprünglichen Krankheit kann sich auch die Laktoseintoleranz bessern. 

Normalerweise spaltet das Enzym den Zweifachzucker Laktose (Milchzucker) in Einfachzucker, die vom Dünndarm ins Blut aufgenommen werden. Fehlt dieses Enzym oder ist nicht genügend vorhanden, gelangt die Laktose ungespalten in den Dickdarm. Dort dient sie gas- und säurebildenden Bakterien als Nahrung. Durch die von den Bakterien gebildeten Säuren strömt mehr Wasser in den Darm und die Darmbewegung wird verstärkt. Die Betroffenen leiden an Beschwerden wie

  • Durchfall
  • Blähungen
  • Völlegefühl
  • Bauchschmerzen und -krämpfe.

Wer auf Milch und Milchprodukte mit derartigen Beschwerden reagiert, sollte dies zunächst beim Arzt abklären lassen und sich erst nach gesicherter Diagnose je nach Verträglichkeit laktosearm oder -frei ernähren. Die individuell verträgliche Menge hängt davon ab, wie viel körpereigene Laktase noch gebildet werden kann. Die meisten Menschen mit Laktoseunverträglichkeit können etwa einen Viertelliter Milch (12 g Laktose) ohne Probleme vertragen. 

Nicht alle Milchprodukte sind grundsätzlich tabu. Einige Lebensmittel enthalten so wenig Milchzucker, dass ihr Verzehr – selbst bei einer Laktoseintoleranz – bei den meisten Betroffenen keine Beschwerden verursacht. Gut verträglich sind beispielsweise Sauermilchprodukte wie Joghurt, Kefir und Sauermilch, da in diesen Lebensmitteln der Großteil der Laktose durch die enthaltenen Bakterien zu Milchsäure abgebaut wurde. Butter und Hart- und Schnittkäse wie Gouda, Edamer und Tilsiter sind aufgrund der Herstellungsweise fast laktosefrei. Zudem sind Milch und Milchprodukte als Bestandteil einer Mahlzeit zusammen mit anderen Lebensmitteln meist besser bekömmlich. Ein vollständiger Verzicht auf Milch und Milchprodukte ist daher nicht notwendig – auch nicht aus ökologischen Gründen.

Mittlerweile bieten einige Hersteller laktosefreie Produkte mit einem geringen Gehalt an Restlaktose an. In der Regel wird diesen Milchprodukten das Enzym Laktase zugesetzt, das den Milchzuckeranteil verringert. Bei einer laktosearmen Ernährung können diese Lebensmittel normale Milchprodukte ersetzen.

Nährstoffzufuhr sichern

Milch und Milchprodukte sind wichtige Lieferanten von Kalzium, Jod, Eiweiß, und B-Vitaminen. Allerdings sind diese Nährstoffe auch in anderen Lebensmitteln enthalten. So liefern beispielsweise bestimmte Gemüsearten wie Brokkoli, Spinat, Grünkohl und Lauch relativ viel Kalzium. Um den Tagesbedarf eines Erwachsenen von 1000 mg zu decken, sind aber fast zwei Kilogramm Brokkoli nötig. Zudem kann der Körper das Kalzium aus Gemüse nicht so gut verwerten wie beispielsweise aus Mineralwasser. Wer pflanzliche Milchersatzprodukte wie Hafer-, Soja- oder Reisdrinks bevorzugt, sollte Produkte auswählen, denen der kritische Nährstoff Kalzium zugesetzt wurde.

Tipp: Trinken Sie kalziumreiches Mineralwasser. Ab 150 mg Kalzium pro Liter darf Mineralwasser als kalziumhaltig gekennzeichnet werden. Setzen Sie die oben genannten Gemüsearten regelmäßig auf Ihren Speiseplan, denn auch sie tragen zur Bedarfsdeckung bei.

Allergie gegen Kuhmilcheiweiß

Anders als bei der Laktoseintoleranz sollten Personen mit einer Allergie gegen Kuhmilcheiweiß Milch und Milchprodukte vollständig meiden. Das Immunsystem der Betroffenen produziert Antikörper gegen bestimmte Eiweiße der Milch. Dazu zählen vor allem Kasein, Laktalbumin und Laktoglobulin. Unter anderem können Beschwerden auftreten wie

  • Hautausschlag
  • Juckreiz
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Erbrechen
  • Darmkrämpfe
  • Durchfall.

Bei Kindern tritt die Allergie meist zwischen dem 4. und 6. Monat auf und verliert sich oft bis zum Alter von drei Jahren. Die Diagnose der Kuhmilcheiweiß-Allergie sollte durch einen allergologisch erfahrenen Kinderarzt erfolgen. Nach eindeutigem Nachweis der Allergie ist als Therapie eine Umstellung der Ernährung auf eine Kost ohne Milch und Milchprodukte nötig. Auch eine Vielzahl von verarbeiteten Lebensmitteln wie Brot, Gebäck, Pudding oder Wurstwaren enthalten Milcheiweiß und sind daher zu meiden. Als Ersatz dienen Kokosmilch, Soja-, Reis-, Hafer- oder Mandeldrinks, die wie Milch zum Kochen und Backen verwendet werden können. Da Milch wichtige Nährstoffe liefert, ist bei der Therapie auf eine ausreichende Nährstoffversorgung zu achten. Um diese zu gewährleisten und entsprechende, zum Beispiel kalziumhaltige, Alternativen auszuwählen, ist eine individuelle Beratung durch eine allergologisch geschulte Ernährungsfachkraft hilfreich.

Autorin: Sarah Bachmann, Dr. Claudia Müller
Foto: ©Syda Productions - stock.adobe.com


Quellen:

Abe 04/2022

Fußleiste